Sign In
New User? Sign Up
slep_afrika · Slep - Transafrika
? Already a member? Sign in to Yahoo!

Yahoo! Groups Tips

Did you know...
You can set the sort order of messages? Just click on the link in the date column. Your preferences will be remembered, so you don't have to do it again when you return.

Messages

  Messages Help
Advanced
Im Niger - Von Tumu nach Dirkou   Message List  
Reply | Forward Message #22 of 32 |
Im Niger – Von Tumu nach Dirkou

Seit langer Zeit wieder ganz auf uns allein gestellt
aber auch völlig unabhängig was Platz, Tempo und
Rhythmus unserer Reise angeht, blicken wir gespannt
auf die vor uns liegenden Etappen (470 Km Piste) bis
Dirkou, die darauf folgenden gut 900Km durch die
Ténéré verdrängen wir lieber noch, bzw. wir gehen
davon aus, dass sich spätestens in Dirkou etwas
ergeben wird oder wir einen Führer mit Fahrzeug
organisieren können. Die Hauptspur der LKW ist gut zu
erkennen, der Verkehr beläuft sich auf 3-4 Fahrzeuge
pro Tag, vollbeladen bis oben hin, an den Seiten
werden die restlichen Waren mit Stricken festgebunden
bis der LKW fast die doppelte Breite erreicht. Die
Eigentümer der Ladung, die Händler welche die Waren
aus Libyen, wo es im Vergleich zum Niger alles gibt,
nach Dirkou und weiter nach Agadez schaffen, sitzen zu
zwanzig bis dreißig oben auf dem Berg Ladung. Längst
der Piste sieht man immer wieder einzelne Schuhe,
Jacken, Wasserbehälter etc., die während der
schuckeligen Fahrt den Freiluftpassagieren verlustig
gingen. Angehalten wird deshalb selbstverständlich
nicht, zumal die Fahrt der Hitze wegen oft nachts
stattfindet und der Besitzer daher nicht mal bemerkt,
dass er etwas verlor. Wir kommen diesen Nachmittag
noch gut voran und suchen uns ca. 30Km vor Madama
einen Übernachtungsplatz unweit der Piste. Die
Einsamkeit ist doch sehr respekteinflößend, anderseits
besteht nachts die Gefahr vom LKW (einem der 3 die
vorbeikommen) gerammt zu werden, wenn man zu nah an
der Hauptspur steht. Kurz vor Sonnenuntergang hören
wir ein Motorengeräusch immer lauter werden, ein LKW
taucht aus dem Nichts auf, hält nach guter Wüstensitte
genau auf uns zu, um sich zu vergewissern ob bei uns
alles in Ordnung ist, schraddelt ca. 10m an uns vorbei
und ist trotz seiner nur 20-30KM/h sofort wieder
verschwunden. Wir stehen da, als hätten wir eine
Fatamorgana gesehen, nur das langsam verstummende
Motorenbrummen bezeugt, das er existierte. Danach
herrscht wieder die absolute, unglaubliche Stille der
Wüste, die nur durch unsere eigenen Geräusche gestört
wird.
Morgens nähe ich aus einem alten Nylonsack eine neue
Manschette für die vordere Gelenkwelle, ohne zu
wissen, dass sie über 1.000Km das empfindliche
Kreuzgelenk vor dem Staub und Sand der Piste bewahren
wird. Kurz vor Madama vertrauen wir zu lange dem
Verlauf der Hauptspur, bis wir mit dem ganzen
Bodenblech in den tiefen ausgefahrenen Spurrillen
aufsitzen. Die anschließende halbstündige Buddelei
trug nicht unbedingt dazu bei, die Stimmung zu heben,
aber schließlich konnten wir uns selbst aus dieser
Lage befreien und hinter der nächsten Ecke erblickten
wir die nigerische Einreisestation Madama. Ein kleines
Fort mitten im Nirgendwo, umgeben von ein paar LKW,
die alle Waren ab- und wieder aufladen müssen, einem
sehr kleinen Markt, der alles zu bieten hat was das
Fernfahrerherz höher schlagen lässt (Zigaretten,
Ölsardinen und geräucherte Ziege) und einem
Schöpfbrunnen mit etwas erdigem Wasser. Die
Einreiseformalitäten sind schnell erledigt und ich
nutze die Zeit, mich mit einem LKW-Fahrer über die
bevorstehende Strecke zu unterhalten. Wir verabreden
bis Dirkou zusammen zufahren, die erste Etappe soll
gleich losgehen und ungefähr 10Km später an einem
schattigen Plätzchen mit Brunnen enden. Wir fahren
hinter dem Sicherheit versprechenden LKW hinterher,
der wühlt sich relativ langsam durch eine
Tiefsandpassage und wir zahlen erneut Lehrgeld in Form
von Sandschippen, da wir genau in seinen Spurrinnen
gefahren sind. Erstaunlicherweise kommen uns drei
Soldaten den weiten Weg aus dem Fort zu Fuß zu Hilfe
und wir sind rasch wieder fahrbereit aber Dank der
Mittagshitze körperlich recht erschöpft. Auch die
Psyche ist etwas angeknackst ob des Verhältnisses
zwischen der vor uns liegenden und seit dem Fort
zurückgelegter Strecke. Aber im Nachhinein betrachtet
haben wir auf den 1.100Km Wüstendurchquerung nur 3 mal
die Schaufel auspacken müssen und 2 mal davon war
eindeutig durch Fahrfehler hervorgerufen. So verdösen
wir gemeinsam mit den Händlern und der LKW-Besatzung
die heißen Stunden des Tages unter Schirmakazien am
Brunnen und filtern uns etwas Trinkwasser. Der
LKW-Fahrer beschließt, dass wir von jetzt an vor ihm
fahren und wir warten alle 10-15Km auf ihn, da er
soviel langsamer ist als wir. Kurz vor Sonnenuntergang
(es ist Ramadan) hält er an, damit sich die Händler
etwas zu essen machen können. Wir fahren voraus und
wollen ebenso wie er ca. 10Km vor Dao Timmi (150Km
entfernt) Station machen. Die Piste ist auch nachts
gut zu finden, Spuren sind genug voehanden und der
fast volle Mond spendet reichlich Licht. An einigen
unübersichtlichen Passagen laufe ich die Strecke
vorher ab, um mich für die beste Möglichkeit zu
entscheiden, aber das ist bei den gemäßigten
Temperaturen der Nacht geradezu ein Vergnügen. Uns
fallen schon früh schmale Spurenpaare von 3 Nicht-LKW
auf, die immer mal wieder im Scheinwerferlicht
auftauchen, bis wir uns ganz von ihnen leiten lassen,
da sie immer sehr geschickt alle kritischen
Situationen umfahren. Gegen Mitternacht schlagen wir
in der Nähe von Dao Timmi unser Lager auf.
Morgens treffen wir unseren LKW bei der Kontrolle
wieder, während er noch warten muss dürfen wir schon
weiterfahren zum Brunnen für unsere Frühstückspause.
Gerade als wir alles wieder verstaut haben, kommen
zwei Tuareg mit einem Kamel angelaufen und bitten uns
um unseren Eimer zum Wasserschöpfen. Das Kamel trinkt
ca. 20-30 Liter und die beiden Männer füllen ihre
gesamten Vorratsbehälter wieder auf, nachdem sie ihren
Durst direkt aus dem Eimer gestillt haben.
Wahrscheinlich sind sie schon mehrere Tage unterwegs
seit dem letzten Brunnen. Wieder on-the-road kommen
wir gut voran, auch wenn die steigende Sonne die Wüste
erstaunlich konturlos werden lässt. Man fährt mit
60-80KM/h und auf ein Mal geht es sanft wie im
Fahrstuhl ein, zwei Meter hoch oder runter, ohne dass
dies vorher zu erkennen war. In Seguedine, ein kleines
Dorf in einer Talsenke, lehren mich die zahlreichen
Kinder, dass man selbstverständlich kein Wasser in den
Brunnen zurück kippt. Eigentlich logisch wenn man ein
bisschen nachdenkt, aber für meinen gedörrten Geist
war das wohl schon zuviel. Da der Bürgermeister kein
Wechselgeld hat als ich die Touristensteuer sogar
gegen Quittung bezahlen möchte, muss ich noch 4 Dosen
eiskalte Cola kaufen, die es hier tatsächlich gibt.
Unser Bus wird derweil von den ganzen Kindern
belagert, Susanne muss aber nicht besonders tief in
die pädagogische Trickkiste greifen, bis sie alle
ordentlich im Kreis stehend auf ihre Anweisungen
warten, sehr zur Belustigung der anwesenden
Dorfbewohner.
Ohne auf unseren LKW zu warten, nehmen wir die letzten
140Km bis Dirkou in Angriff. Nur von vereinzelten
Pausen für unseren Motor unterbrochen kommen wir dort
gegen 18:00 Uhr an und quartieren uns bei der „Action
contre Faim“ auf dem Hof ein. Ich erledige mit
Mammadou zusammen die Registrierung bei der Polizei,
gehe danach noch mit ihm über den einzigartigen
afrikanisch-orientalischen Markt, um zu sehen, wie wir
uns hier mit was versorgen können. (Elisa beschreibt
den Ort hier nicht ganz untreffend: „Es sieht nicht
alles wie neu aus.“) Mammadou hatte uns bei unserer
Ankunft auf deutsch angesprochen und wurde nun zu
unserem fast klettenhaften Begleiter, der uns sehr
geholfen hat hier unsere Sachen zu erledigen bzw.
alles was wir benötigten zu einem guten Preis zu
beschaffen, der uns aber auch immer wieder auf
unangenehme Weise anbettelte. So hat er uns z.B.
informiert, als eine Gruppe aus drei Geländewagen
einer Reiseagentur aus Agadez eintraf und führte mich
zu ihnen. Ich unterhielt mich mit dem Führer, erfuhr,
dass es ca. 700 EUR kostet einen Geländewagen als
Eskorte für uns aus Agadez zu ordern und verabredete
mit ihm, dass er uns seine Thuraya-Nr. gibt und falls
uns etwas auf der Strecke zustoßen sollte, kommt
jemand aus Agadez uns zu holen. Bei dieser Gelegenheit
lerne ich Boubacar kennen, den kleinen Bürgermeister
von Dirkou. Er überrascht mich mit der Offerte uns für
800 EUR nach Agadez zu bringen (er hatte das
vorhergehende Gespräch schon verfolgt) und wird
daraufhin von dem Führer angeferzt, er soll gefälligst
ein anständiges Angebot abgeben. Ich ignoriere ihn
einfach und gehe wieder nach Hause. Offenbar war es
schon ein grober Verstoß gegen seine Ehre, dass wir
nicht bei ihm wohnen und jetzt auch noch das. Aber wir
sollten in der kommenden Woche noch viel Spaß
miteinander haben.

Bis dahin Susanne, Leo, Elisa, Peter

Zinder, 26.10.05







___________________________________________________________
Gesendet von Yahoo! Mail - Jetzt mit 1GB Speicher kostenlos - Hier anmelden:
http://mail.yahoo.de

Wed Oct 26, 2005 5:43 pm

slep_afrika
Offline Offline
Send Email Send Email

Attachment
Im Niger.pdf
Type:
application/pdf
Forward
Message #22 of 32 |
Expand Messages Author Sort by Date

Im Niger – Von Tumu nach Dirkou Seit langer Zeit wieder ganz auf uns allein gestellt aber auch völlig unabhängig was Platz, Tempo und Rhythmus unserer...
peter baumgartner
slep_afrika
Offline Send Email
Oct 26, 2005
5:44 pm
Advanced

Copyright © 2009 Yahoo! UK. All rights reserved.
Privacy Policy - Terms of Service - Guidelines - Help