N’Djamena
30.10. – 8.11.
Drei Tage dauerte es, bis das Autoinnere vom
Lateritstaub befreit war. Susanne bearbeitete
Systematisch eine Abteilung nach der anderen. Ich
versuchte die Quellen des Übels zu lokalisieren und
beseitigte hier und da einige Undichtigkeiten, in der
Hoffnung, auf der nächsten Piste den Staub sinnvoller
weise einfach draußen lassen zu können. Die Kinder
beschäftigten sich derweil selbst am Pool oder
verspielten den Tag mit Armeen von Bottle-Tops
(Kronkorken). Abends verwöhnten wir unsere Seelen mit
gutem und reichlichem Essen in einem der Restaurants
im Hotel. Die Schweden, die immer betont haben, dass
es zu den Prinzipien ihrer Reise gehört, sich immer
das nächste benötigte Visum direkt Vorort zu besorgen,
holten sich wie selbstverständlich die Visa für
Kamerun. Wir, die Hauptstädte eigentlich nicht so
mögen und die auch die Abhängigkeit von Institutionen
wie Botschaften nicht besonders schätzen, gingen am
Dienstag erwartungsvoll zu der sudanesischen
Vertretung um unser Ansinnen, die Verlängerung unserer
Visa, dort vorzutragen. Doch dazu kamen wir gar nicht,
da die gesamte Belegschaft in Anbetracht des am
Donnerstag stattfindenden Zuckerfestes, dem Ende von
Ramadan, beschlossen hat gleich die ganze Woche blau
zu machen. Vielleicht ist es ja doch eine
Einstellungssache, wie man die Dinge angeht. So hatten
wir jedenfalls reichlich Gelegenheit die kleinen
versteckten Paradise zu entdecken, dieser sonst recht
verslumt wirkenden Hauptstadt des Landes, in der man
nicht mal merkt, wenn es einem gesagt wird, dass man
sich auf der „Champs de Lysee“ von N’Djamena befindet.
Da gab es die Patisserie „La Marquise“ mit
sensationell leckeren Törtchen, Kuchen, Croissants
etc., das Restaurant und Bar „Le Carnivore“ mit den
besten Nachtischen einschließlich Zitroneneis für Leo,
die Snackbar „Chez Chou Chou“ mit
Schwarzwälder-Kirsch-Torte, Kebab, Hamburgern,
Omelette und wirklich aufmerksamer und schneller
Bedienung und das „Savana“, welches wir bis heute noch
nicht ausprobiert haben. Ansonsten vertrödelten wir
die Tage bis Montag bzw. widmeten uns der Pflege des
Wagens, der Wäsche und der Bildung unserer Kinder.
Am Montag saßen wir pünktlich um neun Uhr in dem
Warteraum der sudanesischen Botschaft (ein etwas hoch
gegriffener Ausdruck für die Kammer), um nach 2,5
stündigem rumsitzen zu erfahren, dass eine
Verlängerung unseres in Berlin ausgestellten Visums
nur in Berlin möglich ist aber man kann uns ein neues
Visum erteilen, sofern wir ein Empfehlungsschreiben
der deutschen Botschaft vorlegen können. Also sogleich
dorthin gefahren. Diese bedauert jedoch
außerordentlich, da so etwas nur für Geschäftsreisen
ausgefertigt wird. Mit dem neuen Argument, dass wir ja
nur Touristen sind, lassen sich die Sudanesen
allerdings nicht überreden und stellen noch mal klipp
und klar fest, ohne Brief kein Visum, nach dem Motto,
wenn nicht mal eure Botschaft etwas für euch tut,
warum sollten wir das dann machen. Also wieder zur
deutschen Botschaft aber die hat inzwischen
gesclossen. Etwas niedergeschlagen erörtern wir die
Alternativen, die von „Während der Regenzeit durch den
Kongo fahren“ über „In Bangui (Hauptstadt der
Zentralafrikanischen Republik) das gleiche noch mal
probieren“ bis zu „Nach Berlin fliegen und das Visum
da besorgen“ reichen.
Am Dienstag früh laufen wir wieder energisch in der
Vertretung unseres Landes auf und bringen den völlig
überarbeiteten Sekretär, nicht zu letzt mit der
Forderung nach dem ersatzweise auszustellenden
Negativ-Bescheid, dazu, uns das begehrte Schriftstück
auszuhändigen. Nun war es für die Sudanesen auch kein
Problem mehr und wir können morgen, am Mittwoch, gegen
zwölf Uhr die Pässe inkl. Visa abholen. D.h. wir
werden am Donnerstag wieder Richtung Süden aufbrechen
und wenn alles gut läuft in der Nähe von Sarh unseren
ersten Nationalpark besuchen.
Bis dahin
Susanne, Leo, Elisa, Peter
N’Djamena 9.11.05
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