Ostafrika Nairobi-Mbeya
5.12.05 – 25.1.06
In Nairobi wohnten wir wie immer auf dem „Upperhill
Campsite“, einem Treffpunkt nicht nur für Backpacker
sondern auch für selbst motorisierte Reisende – eine
wichtige Info-Quelle hinsichtlich weiterer
Routenplanung. Doch zunächst musste das Auto repariert
werden, wobei der Umstand, dass der Campsite-Besitzer
leidenschaftlicher VW-Busfahrer ist natürlich äußerst
hilfreich war. Mechaniker und Teileversorgung klappten
hervorragend. Die Kinder verbrachten die Zeit
vorwiegend mit dem Bestellen und Essen von riesigen
Portionen „All-day-english“-Breakfast und
„Chips+Chicken“. Susanne wusch. Auf dem Zeltplatz traf
man wieder viele ulkige Leute, Hasch rauchende
Israelis mit Schrott-Auto, fette US-Amerikanerinnen,
die gerade als Praktikanten bei einer Fischzucht in
Nordsambia gearbeitet hatten, 2 deutsche
Abiturientinnen nach einem halben Ökojahr in einem
Kinderheim im Busch (etwas abgekämpft!!). Außerdem
Paul aus Berlin (ein Zwillingsbruder von Susannes
Cousin Sebastian), der 3 Monate in Afrika herumgereist
war, vorrangig allerdings in Ruanda, um dort
Recherchen über die rechtliche Aufarbeitung des
Genozids an den Tutsis zu betreiben für seine
juristische Examensarbeit.
Unsere Stellplatz-Nachbarn waren Marianne und Albrecht
aus Süddeutschland in einem super-vollgepackten Iveco.
Die beiden, aber vor allem Marianne, waren in ihrem
Leben schon so ziemlich an allen Plätzen dieser Welt
gewesen, von Feuerland bis Bombay, entweder mit
Rucksack oder Auto (+Hundchen). Wir verbrachten
lustige Stunden mit ihnen und ihren Geschichten.
Nach einer Woche Nairobi reichte die Zeit bis zur
Ankunft unseres Weihnachtsbesuchs noch für 5 Tage bei
Mombasa am Meer. Wir genossen das Schwimmen und waren
dann pünktlich am 22.12. wieder in Nairobi am
Flughafen um Axel, Sylvie und die Kinder abzuholen.
Dankenswerterweise hatten sie für uns riesige
Gepäckberge bis hierhin mitgebracht (u.a. 2
Stoßdämpfer). Weihnachten verbrachten wir zusammen am
Lake Naivasha in einem Farmhaus mit Blick auf Hippos,
Zebras und Flamingos. Nachts wanderten erstere auch
gerne durch den Garten des Hauses zu ihren
Fressplätzen. Die Zeitplanung mit Axel und Familie war
ziemlich eng, so dass wir schon am 2.Feiertag in den
Nakuru-Nationalpark aufbrachen. Dort übernachteten wir
dann an einem wegen der Trockenheit leider versiegtem
Wasserfall gemeinsam mit einer sich die ganze Nacht
aufs übelste streitenden Großfamilie. Da wir am Tag
vorher aber so viel schöne Landschaft und Tiere
gesehen hatten, konnte uns das nicht aus der Fassung
bringen. Durch das mit Teeplantagen überzogene
Hochland fuhren wir weiter, wieder in die
ostafrikanische Savannenlandschaft, bis zum Masai Mara
Nationalpark. Hierfür waren 2 Tage geplant, die wir
auch intensiv nutzten. Vom seltenen
Schakal-Warzenschwein-Kampf über Dikdik, Giraffen und
natürlich Elefanten und sogar Löwenbabys fast zum
Anfassen zeigten sich alle Tiere und vor allem die
Kinder waren zufrieden. Da wir sehr organisiert und
unsere „aus dem Winter kommenden“ sich schnell
akklimatisiert hatten, blieb sogar noch Zeit für die
Reise von der Masai Mara nach Tiwi-Beach für ein paar
Tage Baden und frischen Fisch essen. Am Sylvesterabend
reservierten wir im Nachbarort in einem Restaurant was
vollständig in einer riesigen Grotte lag das 8-gängige
„Sylvester-Super-Menü“. Die Örtlichkeit war
zauberhaft, bis zum 4.Gang hatten die emsigen sehr
bemühten Kellner auch noch alles im Griff, folgend
wurde jedoch zunehmend verwechselt, vergessen,
verschüttet usw., angesichts des Preisniveaus wussten
wir nicht so recht, ob wir laut lachen konnten und
sollten. Schließlich war das opulente Mahl das
Geschenk von Peters Eltern an uns zu Weihnachten.
Trotz allem genossen wir es sehr. Gänzlich versöhnt
hat uns dann der „Doppelte“ mit der englischen
Inhaberin an der Bar, sie musste sich am Tresen gut
festhalten – nach offensichtlich mehreren genossenen
Doppelten. Den Abschluss machte dann ein riesiges
Feuerwerk direkt am weißen Sandstrand, lauter tanzende
fröhliche Leute, Kamelreiter, riesigem Lagerfeuer und
anderen Attraktionen.
Die restlichen Tage des Besuchs vergingen schön aber
zu schnell mit Baden und Schnorcheltouren. Nach
glücklicher Umorganisation konnten sich Axel, Sylvie
und die Kinder auch noch die 8-stündige Autofahrt
zurück nach Nairobi sparen und von Mombasa aus am 2.1.
den Rückflug antreten.
Nach der Abreise der Familie blieben wir noch eine
Woche am Tiwi-Beach, nicht zuletzt wegen der
Hundemutter, die ihre 7 Tage alten Welpen direkt
hinter unserem Auto einlagerte. Natürlich baute
Susanne ihr noch einen Windschutz und eine Mutter
braucht auch jeden Tag ca. 1 Liter Milch und sämtliche
anfallenden Essensreste.
So verließen wir dann schweren Herzens 5 wohlgenährte
Hundchen – dicke Würste (Bezeichnung der Kinder) – um
unsere Reise Richtung Süden fortzusetzen. Zunächst
wollten wir an der Küste hinunter bis Dar Es Salaam
(Tansania) über Tanga fahren. Der kleine verträumte
Grenzort kostete nicht mehr als eine Stunde Zeit,
leider war hinter der Grenze auch der Asphalt erst
einmal zu Ende. Die gute Piste führte durch hügelige
Landschaft durch Kokospalmen- und riesige
Sisal-Plantagen. Die Stadt Tanga erinnerte uns mit
seinen breiten baumbestandenen Alleen und
zweistöckigen Panorama-Fenster-Bauten sehr an manch
russische/ukrainische Kleinstadt. Der Hafen soll
allerdings den zweitgrößten Warenumschlag Ostafrikas
haben. Kurz hinter Tanga überholte uns ein alter
Subaru. Mit einem fröhlichen „Meiner (VW-Bus) sah
haargenau so aus, wo kommt ihr denn her?“ begrüßten
uns Alex und Sonja und luden uns nach kurzem
Straßenplausch zu sich in ihr Zelt-Camp auf eigenem
Grund und Boden am Meer ein. Nach einer Nacht auf
einem nahe gelegenem Campsite (Besitzer: alter
Kaffeplantagenbetreiber, voll organisiert sämtliche
Kleinigkeiten an jedem Baum laminierte seitenlange
Direktiven zum Verhalten auf dem Platz). Brachen wir
dann neugierig zu Alex und Sonja auf. Sie hatten nach
langer Suche auf der ganzen Welt nun hier in Tansania
ein riesiges Strandgrundstück erworben und waren dabei
eine Tauchschule und Hotelbetrieb aufzubauen. Die
Tauchschule und Tauchlehrer arbeiteten schon, das
eigene, sehr schöne Wohnhaus war gerade von ihnen
bezogen worden. Wir verbrachten hier 3 Tage mit
einzigartigen Schnorchelexkursionen und haben viel
gehört (und viel gelacht) vom Umgang mit Behörden über
Verhältnisse zu den Dorfbewohnern bis: Wie habe ich
meine 25 Arbeiter auf der Baustelle im Auge unter
Berücksichtigung der afrikanischen Verhältnisse und
der einzelnen Bedürfnisse. Für uns war alles
hochinteressant, und das so mutige und aber auch nach
fast 3 Jahren noch so freundlich-fröhliche
Unternehmertum beeindruckte uns tief.
Nach Dar Es Salaam führte die Piste von hier nun durch
teilweise wild bewaldete Hügellandschaft mit schönen
Ausblicken auf die Umgebung. Es tauchten auch die
ersten Gebiete mit Tse-Tse-Fliegen auf, Fallen
(blau-schwarze Tücher mit Gift getränkt) waren aber in
kurzen Abständen aufgestellt. Als wir ca. 5Km vor dem
angezeigten Beginn der Asphaltstraße waren fing es das
erste Mal richtig an zu regnen. Schließlich sollte ja
auch Regenzeit sein, uns war es bisher überall viel zu
trocken geblieben. Trotz Piste und Regen kamen wir gut
voran. Das änderte sich als wir 400m(!!!) vor dem
Asphalt auf einen gerade von der Planierraupe
bearbeiteten Straßenabschnitt gerieten und wie auf
Schmierseife hin- und herschleuderten. Trotz Stop und
Vorsicht: Unvermeidlich rutschten wir seitlich richtig
tief in den Schlamm ab und steckten fest. Ungefähr 30
Leute brauchten 1,5 Stunden, um uns herauszuwuchten.
Dies ließen wir zu, nachdem uns ein älterer sehr
netter Herr gebeten hatte, den Männern doch die Chance
zu geben, etwas Geld zu verdienen (theoretisch hätte
uns die Straßenbearbeitungsmaschine innerhalb von 2
Minuten herausziehen können). Am Ende schafften sie es
wirklich uns aus dem Schlammloch zu befreien und wir
rollten Richtung Dar Es Salaam. Dort campierten wir
als einzige Gäste auf einem schönen Platz an den
Southern Beaches, zu erreichen mit einer klapprigen
Fähre, sehr sehenswert.
Nach Auffüllung der Vorräte und ein bischen
Sight-seeing machten wir ca. 20Km nördlich von Dar Es
Salaam Station. Dort war uns Eckhard und seine
deutsche Autowerkstatt empfohlen worden, ganz in der
Nähe eines sehr schönen Campsites. Am Auto musste
unbedingt der Zahnriemen gewechselt werden und
verschiedene andere kleine Wartungsarbeiten erledigt
werden, die hier in guten Händen waren. Die Tage
vergingen also mit Baden im Meer und Reperaturen,
abends gab es in der Bar am Sonntag eine sehenswerten
Auftritt einer Frauen-Rockband aus dem Kongo und wir
unterhielten uns mit einem netten Mann, der uns
begeistert in fehlerfreiem Deutsch allerlei erzählte.
Deutsch hatte er „vor langer Zeit“ an der TH Rostock
gelernt und Halle an der Saale war auch sehr schön…
Wir sollten unbedingt herkommen und in Tansania
arbeiten. Die nächste Stadt mit sehr deutscher
Vergangenheit – Bagamoyo – fanden wir allerdings im
Gegensatz zu ihm nicht sehr einladend.
Dann war es Zeit sich von dem Indischen Ozean zu
verabschieden, denn wir brachen ins landesinnere auf
und irgendwo in der jetzt recht bergigen schönen
Gegend sahen wir vor uns einen ungewöhnlich bepackten
Radfahrer und erkannten in ihm gleich einen radelnden
Europäer. In solchen Fällen hält man natürlich an. Wir
schwatzten über eine Stunde mit Ulli aus München auf
dem Weg nach Kapstadt. Soviel früher als wir war er
gar nicht losgefahren, laso echt sportlich unterwegs.
Er war über die Türkei und Syrien – Nordsudan
gefahren, ist dann auch zur Erholung Weihnachten in
Kenia gewesen und wollte nun nach Malawi. Später sahen
wir leider nur im Augenwinkel noch einen Radfahrer (im
Liegerad). Ulli hatte uns schon erzählt: Es sind viele
Radfahrer in Afrika unterwegs, es ist eine eigene
Reise-Sparte.
In der lebhaften Kleinstadt Mbeya nahmen wir das
nächste Quartier im Karibuni Church Center, welches
wir schon von der letzten Reise in interessanter
Erinnerung hatten. Man steht in einem sehr gepflegten
Hof mit gepflegten Sanitäranlagen, man kann schöne
Zimmer mieten… vor allem aber ist es so sicher, dass
man darauf hingewiesen wird, auf keinen Fall zwischen
23 Uhr und 5 Uhr morgens das Auto zu verlassen (also
kein Klogang), da der Wachhund ein ganz Scharfer ist.
Das wussten wir alles schon, denn auf der letzten
Reise sind diesem Ungetüm leider 2 Paar Kinderschuhe,
welche noch draußen standen, zum Opfer gefallen,
diesmal waren wir schlauer – sämtliches Mobiliar u.ä.
war im Auto sicher. Nach einem sehr interessantem
Besuch im örtlichen Krankenhaus – um Peters Ohr
nochmals behandeln zu lassen (seit diversen
Schnorchelgängen hört er rechts nichts mehr),
verließen wir Tansania und damit Ostafrika in Richtung
Sambia.
Lusaka, 31.1.06
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