Regenzeit – Von Sambia nach Sambia
26.1. – 28.2.6
In Mbeya hatten wir die Wahl, entweder über Malawi
nach Mosambik und dann durch Simbabwe nach
Sambia/Lusaka zu fahren oder direkt nach Sambia und
dann erstmal weitersehen. Die letzten Informationen,
welche wir von anderen Reisenden erhielten, besagten,
dass es in Malawi ungewöhnlich viel geregnet hat,
deshalb entschieden wir uns für die zweite Variante,
zumal wir dadurch den Norden von Sambia, den wir noch
nicht kennen, zu sehen kriegen, falls das Wetter es
zulässt. Das die Regenzeit dieses Jahr im gesamten
südlichen Afrika sehr üppig ausfiel, wussten wir zu
diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht. So erreichten
wir den turbulenten Grenzkontrollposten bei Nakonde,
umringt von vielen schleimbackigen Geldtauschern und
„Helfern“ für die Erledigung der Formalitäten,
eingehüllt in Staubwolken, aufgewühlt von den
zahlreichen LKW’s, die hier ankamen, einparkten,
ausparkten, rangierten und abfuhren. Der Grenzbeamte
war nicht in der Lage uns ein Double-Entry-Visum
auszustellen, welches uns bei der zweiten Einreise ein
erneutes Visum erspart hätte, da er keine Quittung
dafür hatte. Als er dann eine Universalquittung
ausfüllte und „Single-Entry“ als Verwendungszweck
angab, reagierte ich etwas überrascht. Noch
überraschter war allerdings die Frau, die die
Einreisestempel in die Pässe drücken wollte, als ich
Susannes zweiten Pass herausholte, um ihr den
Ausreisestempel von Tansania zu zeigen (wir hatten die
Pässe wegen der längeren Gültigkeit des ersten
getauscht). Das geht ja überhaupt nicht, dass einer
zwei Pässe hat. Jetzt brauchten wir erstmal Fotokopien
und dann wollten die Beamten gemeinsam entscheiden,
welcher Pass der richtige ist. Ich wies sie
vorsichtshalber schon mal darauf hin, dass beide
Eigentum der Bundesrepublik sind und sie sich sowieso
kein Urteil darüber erlauben können, wie viel Pässe
ein Deutscher haben darf. Nach ungefähr einer Stunde
war das Problem dann erledigt und wir durften
weiterfahren. Eigentlich waren wir dadurch nicht
besonders angespannt oder abgelenkt, aber trotzdem
verpassten wir den Abzweig zu unserem ursprünglichen
Ziel und bemerkten den Umstand erst so spät, dass es
sich nicht mehr lohnte umzukehren. Also betrachteten
wir es als Zeichen und fuhren weiter zur nächsten
Campingmöglichkeit, wo wir aber erst im Stockdunkeln
und bei Dauerregen nach gut 30Km einsamer Piste
ankamen. Mehr als einmal stieg die Erinnerung an unser
Schlammabenteuer in Tansania in uns hoch, aber wo
sollten wir hier die 30 Leute hernehmen? Wir waren in
Kapishya Hot Springs. Wie der Name schon sagt, trat
hier mitten im Dschungel das Wasser mit
Badewannen-temperatur glasklar und geruchlos aus dem
Boden, durch eine kleine Mauer zu einem ca. 200qm Pool
aufgestaut in dem man Tags wie Nachts bei Regen oder
Sonne ewig drin bleiben konnte. Und Regen hatten wir
jeden Tag reichlich, es war insgesamt so feucht, dass
die Handtücher nicht mehr trockneten und das Innere
des Busses allmählich immer klammer wurde. Nach drei
Tagen fuhren wirr wieder ab und wollten ein wenig nach
Nordwesten in Richtung Mansa vorstoßen, verpassten
aber wieder den richtigen Abzweig (so viele gab es
hier gar nicht). Diesmal sei zu unserer Entschuldigung
gesagt, dass die Eisenbahn entgegen allen Karten die
ganze Zeit auf der linken Strassen seite blieb und
dass unser Bordcomputer (GPS) den Geist aufgegeben
hatte (ob es an der hohen Luftfeuchtigkeit lag?). Es
war bereits wieder später Nachmittag und der Himmel im
Nordwesten sah nicht sehr vielversprechend aus, also
beschlossen wir gleich nach Lusaka, der Hauptstadt von
Sambia, weiter zu fahren, die Kinder sind sowieso
immer für eine Nachtetappe zu haben. Als wir kurz nach
Mitternacht auf dem uns bekannten Campingplatz
ankamen, hatten wir fast sieben Stunden tropischen
Dauerregen hinter uns und wir bahnten uns langsam
unseren Weg durch die Herden von Impalas und Zebras,
die hier im Licht unserer Scheinwerfer auf dem Gelände
frei herumliefen. Es gab auch noch drei scheue Giraffe
und eine fast aufdringliche Elenantilopenfamilie, die
sehr zur Belustigung der Kinder ihr Versteckspiel mit
den Angestellten trieben, welche immer versuchten die
riesigen Tiere (Schulterhöhe fast 2m, Gewicht 1,2t)
von den Bäumen und Beeten fernzuhalten.
Hier in Lusaka gab es tatsächlich einige
zusammenhängende Stunden mit Sonne und ohne Regen (das
schließt sich nicht immer aus), so dass ein Großteil
der schmutzigen Wäsche nicht nur gewaschen werden
konnte sondern auch trocknete. Ansonsten füllten wir
hier unsere Vorräte auf, bekamen sogar ein neues
Motherboard zu erschwinglichem Preis für unseren
Bordcomputer und hatten mal wieder unendliche
Schwierigkeiten Geld mit der Visa-Karte zu bekommen,
was würden wir wohl ohne Western-Union machen? Unser
Plan war jetzt eine große Runde über Malawi, Mosambik
und Simbabwe zurück nach Lusaka zu drehen, um dann
hier die Geburtstagsgeschenke für Leo von der Post
abzuholen. Der Weg führte uns zunächst über Petauke
nach Nordosten in den Southluangwe Nationalpark. Hier
campierten wir direkt am Flussufer außerhalb des
Parks. Tagsüber trieben sich Paviane und Buschböcke im
Camp herum, Elefanten wanderten durch den angrenzenden
Wald, nachts musste man auf die Hippos Acht geben, die
zum grasen an Land kamen, die Krokodile blieben zum
Glück im Wasser. Auf dem Weg zum Nationalpark sahen
wir eine Elefantenversammlung alter Herren unweit der
Strasse und wir fuhren etwas dichter heran, bis nur
noch ein kleiner Sumpf zwischen uns und ihnen war.
Plötzlich hob sich der eine Grashügel etwa 10m vor uns
um einige Zentimeter und der schnaufende Atemzug eines
Hippos fuhr uns in die Glieder. Das war mal wieder
lehrsam, auch wenn man nichts sieht und eigentlich
denkt es ist nicht mal Platz für große Tiere, sind sie
trotzdem immer da.
In Malwi hieß die erste Station Lilongwe, wo wir das
erste Mal erfuhren, dass es schwierig werden könnte
ein Angola-Visum zu erhalten und wo wir Ulli den
Radfahrer um einen Tag verpasst haben. Schade wir
hätten uns gerne noch mal ausgiebig mit ihm
unterhalten. Weiter ging es nach Liwonde in den
kleinen verträumten gleichnamigen Nationalpark. Der
Landrover, der uns zur Kanusafari auf dem See bringen
sollte, bestand nur noch aus den zum Fahren
wesentlichen Teilen und der stotternde Motor sprang
erst nach mehreren Anschiebeversuchen widerwillig an,
es war aber für alle ein Mordsspaß. Das war der Charme
dieses verschlafenen Camps mit Self-Service-Bar und
erstaunlich reibungslos funktionierender
Warmwasserversorgung. Das genaue Gegenteil von unserer
nächsten Unterkunft in Blantyre, einem Treffpunkt für
Rucksackreisende und die reiche Jugend der Stadt. Als
wir dort waren, wurde jemand direkt vor dem Tor
überfallen und am nächsten Morgen wurde eine Touristin
vermisst, die das Nachtleben in der Umgebung kennen
lernen wollte. Immerhin haben sie das noch gemerkt, in
der sonst so schlampig geführten Herberge. Dabei war
die konfliktgeladene Atmosphäre zwischen arm und reich
schon beim Abbiegen von der Hauptstrasse spürbar, ich
wäre nicht mal auf die Idee gekommen nachts vor die
Tür zu gehen.
Von hier aus fuhren wir durch den ehemaligen
Tete-Korridor, die Bezeichnung stammt noch aus den
Bürgerkriegszeiten von Mosambik, als die simbabwische
Armee die LKW-Konvois von Simbabwe nach Malawi
beschützte. Tete selber ist die heißeste Stadt
Mosambiks, in der es eigentlich nie regnet. Wir
feierten Leo’s Geburtstag bei 40 45°C aber ein paar
Tropfen fielen trotzdem vom Himmel. Das
Satellitentelefon war zwar den ganzen Tag an und hatte
auch Empfang, aber nur Leo’s Oma und sein Opa sind
durchgekommen, alle anderen haben sich die Finger wund
gewählt ohne das es bei uns geklingelt hat. Verdammte
Technik!
Als wir dann nach Simbabwe fuhren, waren wir auf einen
Schlag Multimillionäre. Für 50US$ bekamen wir 7
Millionen Zim$. Bei jedem Einkauf musste man ewig die
20.000er Scheine abzählen um einen Betrag von
vielleicht 10Euro zu bezahlen. Wenn acht Leute in ein
Restaurant gingen, um zu speisen, lag nachher ein
riesiger Berg Geld auf dem Tisch. Bündelweise waren
die Taschen voll gestopft oder man trug das Geld
gleich in einem separaten Beutel. Der Campingplatz in
Harare hat 350.000Z$ gekostet, das Essen am Nachmittag
1,6 Millionen, der Nachtisch noch mal 400.000Z$.
Mana Pools hieß das nächste Ziel. Unser
Lieblingsnationalpark am Sambesi von vor vier Jahren,
der normalerweise in der Regenzeit geschlossen ist.
Aber wir haben gehört, inzwischen wird das etwas
flexibler, abhängig von den tatsächlichen Regenfällen
gehandhabt. Umso größer war unsere Freude, als wir das
OK für den Park bekommen haben, obwohl es viel
geregnet hatte, denn man muss immerhin 80Km über
Pisten durch das Schwemmland des Sambesi bis zum Park
fahren. Und auch die vier Tage, die wir dort
verbrachten, hat es jeden Tag mehr oder weniger
geregnet, so dass es gar nicht möglich war im Park
herum zu fahren und wir sogar fürchten mussten gar
nicht mehr herauszukommen. Auf dem Campingplatz am
Fluss standen wir zunächst alleine und man musste sich
auch nicht bewegen um das Tierleben des Parks zu
erleben. Die Impalas und Büffel zogen durch das Camp,
die Warzenschweine und Warane konnte man schon bei
kurzen Spaziergängen sehen. Abends, wenn man vom
Duschen kam, musste man erstmal gucken wo die Hippos
sind, bevor man zum Auto zurücklief. Danach hörte man
die Löwen, die in der Nähe des Camps ihren
Lieblingsplatz hatten („Don’t go too close.“ War der
Verhaltenstipp des Rangers, falls sie mal ins Camp
kommen sollten). Die Hyänen kamen von sich aus bis auf
5m heran, um die Essensreste zu ergattern, ansonsten
heulten und riefen sie fast die ganze Nacht. Einmal
kämpften zwei Hippos miteinander so nah, dass man die
Zähne gegeneinander schlagen hörte.
Einen Tag mit verhältnismäßig wenig Regen nutzten die
Kinder und ich zu einer Wiederholung der Kanufahrt von
vor vier Jahren, Susanne blieb lieber beim Auto. Wenn
wir damals den spannungsgeladenen Hitchcock erlebten,
waren wir diesmal in einem Actionstreifen gelandet.
Öfters sprangen die erschrockenen Hippos nur wenige
Meter von uns entfernt aus dem Wasser und stoben davon
oder flohen durchs Wasser eine mächtige Bugwelle vor
sich herschiebend. Die Krönung war ein Hippo, das ca.
3m neben uns aus dem Wasser an Land sprang und dabei
einen etwa 50cm langen karpfenähnlichen Fisch so
erschreckte, dass der vor dem Hippo flüchtete, in dem
er in Höhe unserer Köpfe auf uns zu sprang. Beinah
wäre er im Kanu gelandet.
Übers Wochenende kam noch eine Familie aus Harare, mit
denen wir zusammen den Weg heraus aus dem Park in
Angriff nahmen und dann auch bewältigten. Wir fuhren
nicht den direkten Weg nach Lusaka sondern über
Kariba, wo wir noch eine wunderbare Nacht verbrachten
mit Elefantenbesuch direkt neben unserem Auto und auch
am nächsten Tag auf dem Gelände des Campingplatzes.
In Lusaka hatte sich Leo einen Zoobesuch zum
Geburtstag gewünscht. Das beeindruckenste Erlebnis
dabei war die Schulklasse mit 6 12 jährigen Kindern,
die hier nach Aussage der Lehrerin zum ersten Mal in
ihrem Leben lebendige Löwen und Elefanten gesehen
haben. Ich hätte es vielleicht nicht geglaubt, wenn
mich nicht einer von den älteren gefragt hätte, ob das
Tier mit der Mähne das Weibchen ist. Des weiteren
versuchten wir bei der angolanischen Botschaft die
Bedingungen für eine Visaerteilung herauszubekommen.
Bevor wir die Frage stellen konnten, wurden wir auf
unfreundliche Weise schon wieder auf die Straße
komplementiert, da wir kurze Hosen anhatten. Nach
mehrmaligen Umkleideversuchen (T-Schirt, Schuhe) wurde
ich doch noch vorgelassen, um zu erfahren, dass es
Visa nur für Residents gibt, also für Leute die in
Sambia wohnen aber nicht für uns. Eventuell müssen wir
doch noch von Namibia nach Ghana verschiffen, das
werden wir aber erst dort klären können. Also machten
wir uns auf den Weg nach Livingstone, unserer letzten
Station in Sambia, direkt an den
Viktoria-Wasserfällen. Hier trafen wir zwei
verrückten, äh…, Schweden, aber eigentlich war er
Amerikaner und sie Japanerin, unterwegs in einem
Beach-Buggie auf dem Weg nach Stockholm
(www.redbuggy.com). Ursprünglich wollten sie auch
durch Angola, aber dieses Vorhaben hatten sie
inzwischen aufgegeben. Immerhin wussten sie, dass man
in Rundu/Namibia das Visum problemlos kriegt, aber das
haben sie erst rausgekriegt nachdem sie den Plan
verworfen hatten.
Wir besuchten die beeindruckenden Wasserfälle, ließen
uns noch mal von der Gischt kräftig durchregnen und
stellten fest, dass die Fälle von Sambia aus zumindest
in dieser Jahreszeit (Hochwasser) deutlich
interessanter sind als von Simbabwe aus. Am Tag
unserer Abfahrt trauten wir unseren Augen kaum, als
wir vier Zimmermannsleute auf der Walz begegneten.
Gegen ein Bier durften wir ein Foto machen ?. Dann
verließen wir Sambia und die Regenzeit.
Grootfontein, 4.3.6
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