Namibia
1.3. – 21.4.
Unglaublich, fast zwei Monate haben wir in dem
unafrikanischsten aller Länder dieses Kontinents
verbracht. Hier, wo man nahezu keine
„Einheimischendörfer“ findet, nur saubere ordentliche
„Kleinstädte“ ohne Markt aber mit Einkaufszentrum, die
erst während er Besiedlung vor rund hundert Jahren an
Bahnstationen oder Wasserlöchern entstanden sind, wo
man stundenlang durch schöne Landschaft fährt aber
sich immer irgendwie ausgesperrt vorkommt, da direkt
neben der Straße ein Zaun verläuft, wo man direkt am
Strand stehen kann aber doch nicht am Meer ist, da das
Wasser viel zu kalt zum Baden ist – wenn es nicht
sowieso verboten wäre – und es nicht mal einen Hafen
gibt. Es ist aber auch ein Land mit einer
hervorragenden Versorgungslage, weshalb wir schon
einen Monat Aufenthalt eingeplant hatten, um unser
Auto und uns für die bevorstehende Rückreise
auszurüsten und den genauen Verlauf derselben zu
organisieren und vorzubereiten. Dabei verfolgten wir
abhängig von unserem jeweiligen Aufenthaltsort
verschiedene Varianten, die sich aber alle nach und
nach als zu teuer, undurchführbar oder schlicht
unmöglich erwiesen, uns jedoch nicht unerheblich viel
Zeit und Energie kosteten. Namibia ist aber auch das
Land, in dem wir auf den von uns besuchten Gästefarmen
viele interessante Leute kennen gelernt haben, von
skurril bis herzlich, wo wir in den Genuss von
frischem Wildfleisch – Giraffe, Eland, Zebra, Kudu,
Springbock – kamen, auf die unterschiedlichsten Arten
zubereitet, wo wir zu Jagden eingeladen wurden, die
der Essensbeschaffung dienten und nicht dem Vergnügen
und wo wir direkte Einblicke in die Farmwirtschaft
erhielten.
Es begann schon in Grootfontein, unserer ersten
Station nach Passieren des Caiprivistreifens, als wir
auf Empfehlung der beiden Beachbuggyfahrer uns auf
„Maori“ einquartierten, eine Citrusfarm, die seit ein
paar Jahren von einem verschmitzten Hessen und seiner
Frau geführt wird. Eine der wenigen Orte an dem wir
auch schwarze Gäste gesehen haben und wir nicht
gefragt wurden ob uns das stören würde. Er sprach fast
kein Englisch und ging deshalb schalkhaft auf deutsch
mit seinen Angestellten um und wenn er einem Nachbarn
seine Meinung über einen bestimmten Zwischenfall
kundtun wollte, vertraute er auf die Schnelligkeit der
Buschtrommeln, indem er es einfach beiläufig seinem
Hausmädchen erzählte. Bereits am nächsten Morgen wird
es derjenige den es betrifft erfahren haben. Seine
Frau, die wir leider nicht kennen gelernt haben, hat
in der Nähe eine Schule für die Ärmsten der Armen ins
Leben gerufen und kümmert sich um die Finanzierung aus
Spendengeldern. Die Schüler besuchen die Schule
natürlich nicht, weil sie da was lernen, sondern weil
es dort was zu essen gibt.
Die Etosha-Pfanne, der größte und wildreichste
Nationalpark Namibias, welchen wir anschließend
besuchten, war trotz niedrigster Erwartungen
vielleicht keine Enttäuschung aber zumindest kann die
Ausbeute von 4 Giraffen, einigen hundert Springböcken
und Zebras, sowie zwei Chamäleons auf gut 200Km
gefahrener Strecke als spärlich bezeichnet werden.
Dafür hatten wir ein anderes Erlebnis der besonderen
Art, als uns ein Ehepaar während einer Pause ansprach
und sich herausstellte, dass sie alle unsere
Reiseberichte kannten. Es ist schon ein komisches
Gefühl, Leute zu treffen, die soviel über einen
wissen, obwohl man sie gar nicht kennt.
Von Etosha ging es direkt nach Swakopmund, das
südlichste deutsche Nordseebad, wie es oft scherzhaft
aber sehr treffend genannt wird, um eine mögliche
Verschiffung nach Ghana zu eruieren, sowie das
Fahrwerk des Busses, insbesondere die Federn einer
Erfrischungskur zu unterziehen. Leider hat sich jedoch
zunächst, als Beginn einer fast unendlichen
Geschichte, herausgestellt, dass die Radlager, welche
erst in Tansania erneuert wurden, bereits wieder
hinüber waren, was dazu führte, dass wir Namibia auch
als eine Aneinanderreihung von Werkstattbesuchen in
Erinnerung behalten werden, bei der das
Durchhaltevermögen eines dieser Teile am Ende sogar
bis auf magere 100Km sank. Aber wir ließen uns davon
nicht entmutigen, sondern waren gewillt unsere Zeit zu
nutzen und so weit möglich an den schönen Orten dieses
Landes zu verbringen. So folgten wir dem Ratschlag
„Brummers“, der eines Tages neben uns am Strand
parkte, und fuhren nach „Rooiklip“, der Farm von Lore
und Frans unterhalb des Gamsberges, mit dem wohl
schönsten Campingstellplatz der ganzen Reise. Sie
hatte Deutschland vor fünf Jahren den Rücken gekehrt,
mit dem Ziel alleine auf einer Farm zu wohnen und in
aller Abgeschiedenheit ein Buch zu schreiben. Nun baut
sie zusammen mit dem intuitiven Naturburschen und
Ex-Bauunternehmer Frans eine wunderschöne Gästefarm
auf, deren Charme aber auch daraus resultiert, dass
sie ihre Kunden so nah an sich heran lässt, dass man
sich fast genauso Familienzugehörig und aufgehoben
fühlt, wie die bunte Menagerie aus Tierschicksalen,
bestehend aus fünf Hunden, einem zahmen aber sehr
eigenwilligem Zebra, einer fünfköpfigen Pferdefamilie,
zwei Erdmännchen, zahlreichen Schildkröten und
allerlei Geflügel, die alle von ihren Vorbesitzern
verstoßen oder verletzt bzw. alleingelassen am
Straßenrand gefunden wurden und jetzt ein neues, ein
wirkliches Heim gefunden haben. Lore ist also genau
bei dem Gegenteil gelandet von dem was sie eigentlich
gesucht hat, wenn sie sich alle Naselang auf neue
Gäste einstellen muss, aber sie sagt, sie fühlt sich
„angekommen“, und das spürt man auch. Mit Frans fuhren
wir eines Tages auf der Ladefläche des Pick-up los um
Feuerholz zu sammeln, sicherheitshalber wurde das neue
Gewehr mitgenommen, was uns erstmal nicht zu denken
gab. Stattdessen wurde das ganze dann eine
dreistündige Farmrundfahrt mit ausgiebiger Jagd auf
Zebras und Kudus, schließlich war die Tiefkühltruhe
ebenso leer wie der Vorrat an Holz aufgebraucht. Frans
kannte das Gewehr noch nicht so gut, daher gingen die
ersten vier Schüsse daneben und das jeweilige
gestellte Tier konnte immer entkommen, was besonders
bei den Kindern das Jagdfieber nur noch schürte. Als
ich sie zwischendurch mal fragte, ob das Zebra sterben
sollte, antworteten sie ohne zu zögern: „Ja, wir haben
Hunger!“ Und auch die schwarzen Farmarbeiter waren
fröhlich und summten irgendwelche Lieder vor sich hin,
nachdem wir das geschossene Zebra auf den Pick-up
gehievt hatten, wo es mit uns zusammen auf der
Ladefläche den Rückweg bestritt, und sie schon lange
nach Feierabend im Schlachthaus der Farm das Tier
häuteten und aufbrachen, denn jetzt kam auch auf ihren
Speiseplan mal wieder Fleisch. Am nächsten Tag halfen
Leo und Elisa wie selbstverständlich dabei, das
gesamte Tier zu portionieren, einzutüten und
einzufrieren, und am Abend gab es dann „Rooiklips“,
Zebrafilet in dünne Scheiben geschnitten, scharf
gewürzt und kurz frittiert – lecker!
Da sich bezüglich unserer organisatorischen Probleme
noch nichts geändert hatte, fuhren wir zurück nach
Swakop (auf dem Weg haben wir Ulli den Radfahrer
wieder getroffen www.okawambo.blog.de), verweilten
dort solange bis klar war, dass wir nicht nach Ghana
oder an irgendeinen anderen Ort nördlich des Kongo
verschiffen können und unsere aus Deutschland
bestellten Ersatzteile in Windhuk eingetroffen waren,
um uns dann Zwecks Abholung derselben ebenfalls
dorthin zu begeben. Hier trafen wir viele andere
Reisende, die entweder nur in Namibia, in Afrika oder
der ganzen Welt unterwegs waren und tauschten mit
denen angeregt Informationen aus. Darunter war ein
Holländer, der soeben sein Angolavisum erhalten hat,
welches uns seltsamerweise verwehrt wurde, und Jarle,
ein äußerst amüsanter Norweger (www.cape2cape.no), der
im Januar auf der Strecke Südsusadan –
Zentralafrikanische Republik noch einen Platz frei hat
?. Nach dem Tiefschlag, den uns die angolanische
Botschaft versetzt hat, brauchten wir erstmal wieder
einen Ort um uns ein wenig zu sammeln, und wo hätten
wir das besser machen können als auf „Rooiklip“? Wir
wurden sofort wieder in sämtliche Abläufe integriert,
was soweit führte, dass Susanne mit den Kindern die
Farmführung für zwei Tage übernahm, während Lore,
Frans und ich in Windhuk alles mögliche erledigten.
Dabei bestand ihre Hauptaufgabe darin, in der Nacht
dem hauseigenen Zebra den Zugang zum Haus zu
verwehren, aber das ist eine Geschichte für sich
selbst. Wir blieben fast zehn Tage hier, feierten
Ostern mit Ostereiersuche, schossen einen Kudu, um
etwas Abwechslung auf die Speisekarte zu bringen
(frische Kuduleber – mmhhhhhh!) und entschieden uns
dann halt nach Hause zu fliegen und das Auto entweder
zu verschiffen oder später abzuholen. Bis dahin
wollten wir noch nach Südafrika an die Küste des
Indischen Ozeans, in den einen oder anderen
Nationalpark fahren und damit der mittlerweile
eingebrochenen „Kälte“ von 7°C in der Nacht und
manchmal nicht über 18°C mit Regen am Tag zu
entfliehen. Zügig wollten wir die Strecke zurücklegen,
kamen aber nur bis Marienthal und nach einer
ungemütlichen Nacht auf einem schlammigen Schrottplatz
am nächsten Tag nur die halbe Strecke nach
Keetmannshoop, wo wir jeweils mit Radlagerschaden
liegen blieben und nur mit Hilfe eines Abschleppwagens
überhaupt irgendwo ankamen. Das wäre in Angola oder
womöglich in Zentralafrika wahrscheinlich nicht ganz
so einfach gewesen. Aber dann wurde das Problem
behoben und unserem nächsten Ziel stand nichts mehr im
Wege.
Zinkwazi Beach, 5.5.2006
Für die Google-Earth-Nutzer unter Euch habe ich
diesmal noch eine zweite Datei angehängt: Namibia.zip
Wenn Ihr diese auspackt erhaltet Ihr eine Datei namens
namibia.kml. Darauf ein Doppelklick und Ihr seht
unsere Schlafplätze in Namibia mit Datumsangaben
direkt bei Google-Earth eingeblendet. Wer Google-Earth
noch nicht installiert hat, geht auf
http://google.earth.com , überprüft ob er die
Vorraussetzungen erfüllt (Grafikkarte,
Breitbandgeschwindigkeit) und installiert sich dann
das Programm.
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Telefonate ohne weitere Kosten vom PC zum PC: http://messenger.yahoo.de