Eigentlich war ja gedacht, dass ein Blick ins echte Loewenmaul mal
unsere erste wirkliche Bewaehrungsprobe werden soll, nun sieht es so
aus, als ob eher unser Abwarte-Vermoegen diese echte Probe werden
wird. Seit einer Woche sitzen wir hier in Assuan fest und warten auf
DAS Schiff, welches aus dem Sudan kommend wieder mit Fracht dahin
zurueckfahren soll. Von hier gibt es keine Strasse (nicht erlaubt)
keine Piste - nichts anderes was ein Fortkommen ermoeglichen wuerde.
(Ausgenommen offensichtlich ein Traumschiff, was fuer 1.800 $ sofort
da waere). Alle Organisation haengt an einem Mann - passenderweise
heisst er Mr. Salah - wie SimSALABim - der freundlich leider immer
auf den naechsten Termin vertroesten muss. Das Kulturprogramm in
Assuan haben wir inzwischen vollstaendig absolviert, jedoch ist den
Kindern auch nicht jedes nubische Felsengrab zuzumuten. Der oertliche
Campingplatz erwies sich als wirklich schauderhafte Staette, von
einem rattengesichtigen Greis beaufsichtigt und zwei bettelnden
Soldaten bevoelkert - voellig verfallen und mit Kloake
ueberschwemmten Sanitaereinrichtungen. Also campieren wir jetzt
mitten in der Stadt in einem kleinen Hotel ohne Ungeziefer und mit
heisser Dusche. An dieser Stelle sei ein kleiner Exkurs
gestattet:"Einzug der Putzfrauen - Putzen der Hotelhalle": Jeden
Morgen fruehstuecken wir bei groellenden Fernseher im
Fruehstuecksraum des Hotels (beide Bezeichnungen sind eigentlich ein
bischen hoch gegriffen) und koennen einem interessanten Schauspiel
beiwohnen, welches natuerlich besonders Susannes Hausfrauen-Putz-Herz
hoeherschlagen laesst. Auf ein unbekanntes Signal hin schlurfen zu
irgendeiner Zeit 3 junge schlampige Weiber (eine bessere Umschreibung
gibt es wirklich nicht) in die "Halle", in einer Hand einen Eimer, in
der anderen einen sog. Abzieher bzw. normalen Besen. Erstmal stellen
sie die Eimer mit grossem Schwappen ab und quatschen mind. 10min.
Dann geht eine von ihnen die Treppe (2Etagen) nach oben und kippt den
Laugeneimer (mit inzwischen aufgeloestem OMO) die Treppe abwaerts.
Die Bruehe kommt dann irgendwann unten an - Signal fuer die anderen
Weiber mal den ranzigen Teppich unten wegzurollen und ihre Eimer auch
auszukippen. Wenn dann alles weissschaeumend schwimmt, ziehen sie
laessig den Abzieher drueber, und treiben die Bruehe zum Ausgang (
wenn da einer kommt, der hat gleich saubere Schuhe+Hosenbeine). Von
dort geht der ganze Schwall in hohem Bogen auf die Strasse. Der
kroenende Abschluss folgt nun (!!!), indem die erwaehnten Teppiche
wieder ausgerollt werden und - man glaubt es kaum - jetzt mit dem
Besen unter Entstehung hustenreizerzeugender Staubwolken ordentlich
abgefegt werden. Liebe Leser - vielleicht hat dies nicht jeden
beruehrt, jedoch sind die Reinigungsdamen auch sonst von ansteckender
Froehlichkeit und heitern somit jeden unserer Wartetage schon morgens
auf.
Inzwischen sind auch unsere ehemaligen schweizer Reisegefaehrten
eingetroffen und teilen unser Los. Morgen gehen wir wiedermal ein
bischen Segeln auf dem Nil, das ist fuer wenig Geld jederzeit zu
haben. Ausserdem machen wir taeglich ausgiebig Mittagsschlaf (und
gehen lange Wege zum Abendessen, so dass die Kinder beschaeftigt
sind). Inzwischen geht Peter auch abends immer zum Gemuesehaendler an
der Ecke Teetrinken und wir erzeugen mit unserer Anwesenheit hier
weiter kein Aufsehen. (Trotz Touristen wird man bestaunt und die
Kinder leiden etwas an staendigen DULI-DULI)
Leider hat sich noch ein Umstand ergeben, der moeglicherweise
Massnahmen erfodert - dies ist also noch nicht sicher. Wir hatten
schon von anderer Seite gehoert, dass erst etwa nach der 2. Einnahme
des Malaria-Prphylaxe-Mittels Nebenwirkungen auftreten wuerden - so
wars dann auch. Susanne lag 2 Tage richtig flach, mit normalen
Beschwerden. Ansonsten laeuft man ein bischen wie unter Drogen rum,
mit unvermittelten Depressionsanfaellen, was uns dann hin und wieder
zu der gegenseitigen Aussage veranlasst:" Du hast wohl heimlich
Lariam genommen." Interessanter nun Peter - der hatte seltsame
Anwandlungen - Flugtickets kaufen zu irgendwelchen Graebern - ganz
untypische Verschwendungssucht.
Nun sind schon wieder ein paar Tage vergangen ("no connection" im
internetcafe). Am Donnerstag soll tatsaechlich unser Schiff mit uns
und unserem Auto Richtung Sudan losfahren. Also drueckt uns die
Daumen.
Bis dahin
Susanne Leo Elisa Peter